Kuenstlerstadt - Finde und buche deinen Künstler online

Etwa 6.000 Künstler aus über 500 Städten in Deutschland - das ist die bisherige Bilanz des Bremer Start-ups Kuenstlerstadt. Auf dem Portal können Kunden ganz einfach den passenden Künstler für die eigene Veranstaltung finden und buchen. Das spart Zeit und macht die Branche vor allem transparenter. Etwas, das es so in Deutschland bisher noch nicht gab. Wie Gründer und Fotograf Ismail Gök auf die Idee für Kuenstlerstadt kam, warum er unbedingt einen Investor aus der Region an Bord holen wollte und wie es ist, alleiniger Gründer eines Start-ups zu sein, verrät er uns im Interview.

Ismail, wie bist Du auf die Idee für das Geschäftsmodell von Kuenstlerstadt gekommen?
Ich habe mich 2011 als Fotograf selbstständig gemacht und habe mich relativ schnell auf die Hochzeitsfotografie spezialisiert. Ich hatte dann ganz oft die Situation, dass ich Brautpaare vor mir sitzen hatte, die total gestresst waren und gar nicht wussten, wo sie mit der Planung für ihren besonderen Tag anfangen sollen. Diejenigen, die mich gebucht haben, haben eigentlich immer das gleiche gesagt: "Super, jetzt haben wir dich engagiert, aber kennst du vielleicht noch einen DJ, eine Visagistin oder einen Clown für die Kinder? Und Blumen brauchen wir eigentlich auch noch...". Da es bis dahin keine Anlaufstelle für Künstler gab, habe ich immer nur zum Googeln raten können. Andersrum existierte das Problem aber ebenfalls: wir Künstler wussten auch nicht, wo wir uns potentiellen Kunden gegenüber präsentieren können. So habe ich eins und eins zusammengezählt und eine Plattform geschaffen, die sowohl Künstler jeglicher Art präsentiert als auch für Kunden eine direkte Anlaufstelle bietet.

Du beschäftigst bei Kuenstlerstadt mittlerweile einige Mitarbeiter, darunter auch Entwickler. Wie schwierig ist es, die passenden Mitarbeiter zu finden?
Zu Beginn haben wir den Prototypen selbst gebaut und finanziert. Da haben mir drei Freunde tatkräftig zur Seite gestanden, die quasi auf eigenes Risiko, ohne Geld und nebenbei beziehungsweise am Wochenende gearbeitet haben. Als wir dann mit der team neusta GmbH unseren ersten Investor hatten, haben wir mit ihnen einen Deal vereinbart, bei dem wir drei ihrer Entwickler für unser Start-up "nutzen" dürfen. Wir hatten also bisher keine Probleme, Mitarbeiter zu finden. Genau wie im Marketing-Bereich: Hier hatten wir immer zwei bis drei Mitarbeiter in Teil- oder Vollzeit eingestellt. Wir haben sehr viele Initiativbewerbungen bekommen und somit zum Glück keine großen Schwierigkeiten gehabt.

Wie konntet ihr euch bisher finanzieren und von welchen Kooperationen konntet ihr besonders profitieren?
Wir haben 2015 unser erstes Investment bekommen. Das war eine Seed-Runde mit einem kleinen sechsstelligen Betrag, von dem wir den Prototypen weiter ausgebaut haben. Anfang dieses Jahres, also im Februar 2017, haben wir unsere zweite Runde mit einer höheren sechsstelligen Summe geschlossen, bei der wir sowohl neue Investoren als auch eine weltweit bekannte Theatergruppe mit an Bord geholt haben. Mit dieser haben wir jetzt eine Kooperation geschlossen, die uns dabei hilft, zum einen all die Künstler der Theaterhäuser auf unsere Plattform zu präsentieren und zum anderen unseren Künstlern die Möglichkeit zu bieten, in den jeweiligen Theatern aufzutreten. Darüber hinaus sind wir in diesen Theaterhäusern, die in ganz Deutschland vertreten sind, in Form von Flyern, Programmheften, Broschüren oder auf der Homepage gebrandet. So schaffen wir quasi einen engen Kanal zwischen den Künstlern des Theaters und unseren und helfen uns so gegenseitig.

Wonach seid ihr weiterhin auf der Suche?
Wir haben für die nächsten zwei bis drei Jahre grobe Pläne zu expandieren. Natürlich wollen wir aber vorher erst einmal den deutschen Markt vernünftig erschließen und uns dort etablieren. Wir wollen in Zukunft aber über die Grenzen hinaus gehen und da freuen wir uns natürlich immer, wenn wir Partner finden - sowohl strategisch als auch finanziell unterstützend.

Du bist alleiniger Gründer von Kuenstlerstadt: Inwiefern ist das für Dich von Vor- oder Nachteil?
Das ist auf jeden Fall ein sehr wichtiger Punkt und es gibt dazu eine sehr gespaltene Meinung. Zum einen gibt es Vorteile, alleiniger Gründer zu sein, weil man Entscheidungen deutlich schneller treffen kann. Manchmal kann genau das aber auch von Nachteil sein, weil man niemanden hat, der genauso beteiligt ist wie du und mit dem du die Entscheidung ausgewogen treffen kannst. Einem Mitgründer kann man auch mal Aufgaben abgeben und man kann sich auf ihn verlassen und sich austauschen. Das habe ich so direkt nicht, möchte aber an dieser Stelle erwähnen, dass ich mir mein Büro mit einem weiteren Start-up teile und wir dort die Brücke schlagen und uns gegenseitig unterstützen - das ist schon sehr hilfreich. Als alleiniger Gründer kann man also Entscheidungen schnell fällen, wünscht sich aber hin und wieder, Aufgaben verteilen und abgeben zu können, die nur die Geschäftsführung ausführen kann.

Ihr habt euren Sitz in Bremen und seid dort auch ganz bewusst auf Investorensuche gegangen. Wieso?
Uns war es wichtig, einen Investor zu finden, der genauso fühlt wie wir, der versteht was wir machen wollen und der - genau wie wir - die Firma hanseatisch step by step aufbauen möchte. Natürlich ist es schön, wenn man in Berlin mal - überspitzt gesagt - 30 Millionen hinterher geschmissen bekommt. Das würde in Bremen niemals passieren. Das ist aber auch ganz gut so. Wir müssen eben - wie es typisch für Bremen ist - mit dem was wir haben vernünftig wirtschaften, kreativ sein und uns dadurch voranbringen. Es war uns wichtig, einen Investor zu haben, der uns Zeit für ein vernünftiges Wachstum gibt und keine wöchentlichen Reports fordert oder mit Druck eventuell mehr schadet als unterstützt.

Wie hat sich die Start-up Szene in Bremen in den letzten Jahren verändert?
Als wir die Idee zu Kuenstlerstadt hatten und auf Investorensuche gegangen sind, gab es in Bremen  zwar schon ein paar Start-ups, aber es war alles noch nicht so bekannt wie heute. Mittlerweile ist die Szene in Bremen relativ groß: es kommen immer mehr Start-ups zum Vorschein, die sich natürlich untereinander auch gut austauschen und vernetzen. Es gibt hier beispielsweise eine Eventreihe, die nennt sich geschüttelt, nicht gerührt. Bei der ersten Veranstaltung, bei der auch wir pitchen durften, gab es etwa 40 bis 50 Besucher und jetzt im Sommer fand die zehnte Ausgabe mit knapp 500 Leuten statt. Das Interesse der Gesellschaft hier in Bremen ist also deutlich größer geworden. Das ist sehr schön, denn Bremen muss sich nicht mehr vor Hamburg verstecken.

Braucht ihr für eure Veranstaltung noch einen Künstler? Dann findet und bucht ihn auf Kuenstlerstadt.de